
Wie alles angefangen hat…
Wie fing unsere Imkerei an, ganz einfach: Mit einer Annonce im Albboten.
Der Alb-Bienenzüchterverein Gerstetten bot in Kooperation mit der Volkshochschule einen Einführungskurs in die Imkerei an. Wir waren derzeit eine siebenköpfige Familie, mein Mann Kersten, unsere fünf Kinder im Alter wischen ein und zehn Jahren und ich, Sygun.
Während Kersten sich vorwiegend um das finanzielle Wohl der Familie kümmerte, versorgte ich mit seiner Unterstützung die Kinder und bewirtschaftete ebenfalls mit seiner Hilfe nebenbei einen großen Gemüsegarten, der unser Bedarf an Gemüse nahezu deckte. Zudem hielten wir uns im Rahmen der Selbstversorgung Schweine, Schafe, Puten und Hühner. Honig kauften wir beim ortsansässigen Imker. Das sollte sich mit der kleine Anzeige ändern.
Schnell war der Entschluss gefasst und ich meldete mich an. Mein Ziel war es nicht, gleich Bienenvölker zu halten, sondern nur erst einmal Einsicht auf diesem Gebiet zu bekommen. Nur dann ging der praktische Teil los – und – es machte einfach riesig viel Spaß. Mit im Kurs inbegriffen, war ein Bienenvolk, welches im Laufe der Saison erstellt wurde. Vom Bienenfieber gepackt, kümmerte ich mich um eine Bienenbeute, so nennt man die Kiste, in der Imker ihre Bienen halten, und auch um sonstiges Zubehör.
So wurde ich stolzer Besitzer eines Bienenvolks, welches zuerst im Garten meines Lehrmeisters stand und im Herbst zu uns nach Hause in den Garten geholt wurde.

Mit Kersten war ausgemacht, dass er mir gerne hilft, wenn ich schwere Teile heben muss, aber ansonsten nichts mit den Bienen zu tun haben will.
Aber das änderte sich schnell. Oft sprach ich begeistert über meine neue Errungenschaft und als ich das erste mal zuhause in das Bienenvolk reinschauen musste und es ihm im Nachhinein erzählte, war er enttäuscht, nicht dabei gewesen zu sein.
Und so verbrachten wir viel Zeit mit den Bienen. Nach meinem Kurs las ich viel über die Bienenhaltung und nahm an zahlreichen Schulungen und Seminaren rund um die Biene teil. Trotzdem, immer wieder verhielten sich die Bienen anders, als gedacht. Und so geht es uns eigentlich immer mal wieder bis heute. Jedes Jahr ist anders, jedes Volk ist anders und so gibt es fortlaufend neue Einsichten zu gewinnen. Die Bienen sind eben Wildtiere und auch wenn man über die Zucht einiges beeinflussen kann, so bleiben es doch Wildtiere. Sie sind interessant, aber nicht immer kalkulierbar.

Oft verbringen wir bis heute in den Sommermonaten die Mittagspause vor den Bienenstöcken im Garten, sehen den fleißigen Bienen beim fliegen zu und sprechen über unsere fleißigen Tierchen. Wir nennen das intern unter uns Bienenkino. Es ist ein gutes Mittel gegen den allgegenwärtigen Alltagsstreß.
Auch mit dem Fangen von Bienenschwärmen waren wir anfangs viel beschäftigt. Zwar lernt man in jedem Anfängerkurs über Bienenhaltung, wie man das Schwärmen von Bienen vermeiden kann, aber bald stellte ich fest: Wenn Bienen schwärmen wollen, dann schwärmen sie. Will man dies vermeiden, braucht man ein gutes Fingerspitzengefühl. Das entwickelt sich erst mit der Zeit und noch heute muss ich zugeben, dass mir das ein oder andere Bienenvolk abschwärmt. Aber das gehört zum Imkern einfach dazu. Wer schon einmal ein schwärmendes Bienenvolk erlebt hat, der weiß wie faszinierend dieses Ereignis ist.
Im Bienengrundkurs lernte ich, dass ein Imker mindestens drei Völker halten sollte. Es kommt immer wieder vor, dass ein Volk im Winter eingeht. Wenn man nur ein Volk hat und dieses kommt nicht über den Winter, dann fängt man wieder bei Null an. Aus diesem Grund erweiterte ich schnell auf drei Völker. Nur,- was macht man mit dem vielen Honig? Zu der Zeit dachte ich noch nicht daran, Honig zu verkaufen.

Wahrscheinlich stieg im ersten Jahr unser Honigkonsum stark an. Im zweiten Jahr meiner Bienenhaltung kauften wir uns eine eigene Handschleuder. Diese bauten wir zur Schleuderzeit in unserem Wirtschaftsraum auf. Wir alle waren uns einig, es geht nichts über frisch geschleuderten Honig. Schon alleine der Geruch, der aus der Honigschleuder kommt, ist himmlisch.

Doch so sehr wir auch schleckten, wir konnten sehr viele Gläser füllen. Also, zurück zur Frage, was kann man mit Honig alles machen.
Und so kamen viele interessante Themen in mein Blickfeld
- Honig in der Küche
Nicht überall, aber oft lässt sich der Zucker in der Küche durch Honig ersetzten. Das ist viel leckerer und, wie ich später erfuhr, auch viel gesünder
- Honig in der Kosmetik
Ich fing an, Seifen zu sieden und Cremes und Salben zu rühren, die Bienenwachs und auch Honig enthielten.
- Honig (und Bienenprodukte) in der Medizin
Ich besuchte Kurse, die sich mit den Heilwerten der Bienenprodukte befassten und viele kleine Krankheiten und Verletzungen konnte ich dank meiner Bienenprodukte schon in unserer Familie kurieren.
- Veredelung von Honig zu Met, Fruchtweinen und Honiglikör
In Kursen zur Met-Herstellung lernte ich so einiges und eine überdurchschnittliche Honigernte gefolgt von einem Obstjahr (2018) ließ mich erfolgreich experimentieren. Viele gute Fruchtweine wurden bei uns hergestellt und schafften den Sprung in unser Verkaufsregal
- Interesse für Trachtpflanzen
Das hat zwar nichts mit dem Verbrauch von Honig zu tun, rückte aber dennoch stärker in den Fokus meines Interesses. Hier muss ich zugeben, die Prophezeiung von Imkern, die mir sagten, dass mit der Bienenhaltung der Blick auf die Natur geschärft wird, erfüllte sich. Ich dachte zunächst, dass das gar nicht mehr geht, weil mein Interesse schon vorher der Natur galt. Trotzdem musste ich erkennen, dass dies noch bei Weitem gesteigert werden konnte.
Und wie heißt es so schön in Imkerkreisen: „Erst hat man Bienen und dann haben die Bienen einen.“
Auch das traf bei uns ein. Aus einem Bienenvolk wurden drei, dann fünf, dann neun und heute sind es 26. Auch unsere Kinder zeigten Anfangs starkes Interesse an der Bienenhaltung und nahmen z.T. an einer Anfängerschulung teil.
Bald wurde uns klar, dass es schön wäre, einen separaten Schleuderraum zu haben, in dem die Schleuder das ganze Jahr über stehen bleiben kann. Dazu bot sich unsere Garage an, die schon lange nicht mehr als solche benutzt wurde. Das Garagentor wurde durch schöne Glastüren ersetzt, und der Raum Lebensmittelkonform hergerichtet. 2017 konnte der Schleuderraum für die Honigernte in Betrieb genommen werden.


In diesem Jahr gab es einen kleinen Dämpfer bei der Erweiterung unserer Imkerei. Viele Imker sprachen von einem Rekordjahr und ich dachte nur noch, dass ich keinen Honig mehr schleudern möchte. Mit dieser Honigmenge war unsere kleine Imkerei zunächst überfordert. Zwar verkauften wir bereits an der Haustüre unseren Honig, aber noch nicht in den Mengen. Im Folgejahr freute ich mich aber über den vielen, nicht verkauften Honig, denn er war die Grundlage meiner ersten Fruchtweinexperimente mit Honig. Der Wunsch, nicht mehr so viel schleudern zu müssen, wurde in den folgenden vier Jahren erfüllt. Ungünstige Wetterbedingungen sorgten für moderate Honigernten. Das führte dazu, dass die Völkerzahl in unserer Imkerei weiter gesteigert wurde. Immerhin hatte ich inzwischen Kunden, die ich bedienen wollte.
2018 schloß ich eine Ausbildung zur Fachberaterin für Bienenprodukte ab. Von einer Heilpraktikerin lernte unsere Gruppe viel interessantes nicht nur über Honig, sondern auch spannendes über Pollen, Propolis (dem Kitharz der Bienen), dem Lebenselexir Gelee Royal und die Verwendung von Bienengift und Drohnenbrut. Auch die therapeutische Wirkung von Bienestockluft wurde thematisiert. Im Rahmen dieser Ausbildung entstand mein erstes Kindergartenprogramm, welches ich inzwischen bereits mit Kindergartenkindern durchgeführt habe.
Seit Anfang 2021 steht mein Honig auch im Verkaufsregal vom Gussenstädter Hofladen Wiesäckerhof.
Mitte 2021 nahm ich das Angebot vom Getränkemarkt Junginger Fruchtsäfte dankend an, meinen Honig in seinem Sortiment aufzunehmen.
Den meisten Honig verkaufe ich aber nach wie vor an der Haustüre, bzw. an der Türe von unserem Honig-Schleuderraum. Das ist mir am liebsten, denn ich mag es, mit meinen Kunden in Kontakt zu bleiben. Die ein oder andere Information lässt sich so doch am schönsten weitergeben. Nicht jeder Honig ist gleich und der Honig von einem Jahr unterscheidet sich auch vom nächsten.
Auf Märkten bin ich noch nicht viel vertreten. Derzeit findet man mich am Palmsonntag auf dem Bretzgenmarkt an und beim Pflanzenflohmarkt hier in Gussenstadt. Da nehme ich meistens auch mein ganzes Schaumaterial mit, so kann ich den Marktbesuchern auch vieles über mein spannendes Hobby zeigen.
Seit 2021 übernahm ich für den Alb-Bienenzüchterverein einen Sommerferienprogrammpunkt, den ich „Die Welt der Bienen“ nenne. Dort zeige ich einigen Kindern aus unserer Gemeinde zu Beginn der Sommerferien alles rund um die Biene und die Bienenprodukte. Das macht mir viel Spaß. Umweltschutz beginnt bei mir damit, der jungen Generation den Blick auf das schöne der Natur zu öffnen, denn das was man mag ist schützenswert.
Als die Edelstahlpreise 2022 anstiegen, fassten wir den Entschluss, uns eine gute elektrische Honigschleuder zu leisten. Der Zeitpunkt dieser Investition erwies sich als guter Wink des Schicksals. Die letzten Jahre mit moderaten Ernten hatten dazu geführt, dass wir jährlich die Völkerzahl erhöht haben. Schließlich mussten wir zum Saisonende unseren Kunden erklären, dass wir ausverkauft sind. Nun folgten wieder Jahre mit sehr guten Honigerträgen und wir freuten uns, nicht alles mit einer Handkurbel schleudern zu müssen.

Jetzt blicke ich gespannt auf das neue Bienenjahr. Was wird es bringen? An warmen Tagen sieht man die Insekten ausfliegen. Mitte März beginnt so langsam die Saison. Da beginnen die Bienen bei uns auf der schwäbischen Alb mit der Brut und es muss drauf geachtet werden, dass sie noch ausreichend Futter haben. Aber es wird auch darauf geachtet, dass sie nicht zu viel haben, denn wenn die Tracht beginnt, sollte der Zuckerhonig vom Winter aufgebraucht sein.
Das ist das Schöne bei den Bienen, der Frühling beginnt schon recht früh.